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Fränkischer Tag vom 04.03.2013

Turnverein feiert mit Sonderausstellung "150 Jahre
TV Ebern"

"Das Berühren von Ehrengästen und weiblichen
Personen sowie das Benützen derselben als Zielscheiben ist verboten." Das
legte die Festordnung der Fußballabteilung des TV Ebern dereinst fest.

Für den Sprung am Seitpferd reichte es nicht mehr, aber
übers antike Sprungbrett schaffte es es Bürgervereinsvorsitzender Ingo
Hafenecker doch auf den "Lederbock" - daneben: TV-Vorsitzender
Karlheinz Krebs (links) und Kurator Stefan Andritschke. Fotos: Ralf Kestel

von RALF KESTEL

Nachzulesen ist dies im Heimatmuseum, wo am Sonntag zum
besonderen Jubiläum des Turnvereins und zur Saisoneröffnung die
Sonderausstellung "150 Jahre TV Ebern" eröffnet wurde.

Das Berühren der Ehrengäste war dabei unumgänglich, so gut besucht die
Vernissage am Sonntagvormittag.Das Schwelgen in Nostalgie war die
Hauptsportart. Zu schön die alten Bildern und Dokumente, zu frisch noch die
Erinnerung. Und dabei rückten längst in den Hintergrund getretene Ereignisse
wieder ins Bewusstsein: Teilnahmen an Turnfesten, ein Handballspiel gegen die
Nationalmannschaft der UdSSR oder ein Fußballspiel gegen Eintracht Frankfurt.
Die üppig ausgestattete Ausstellung mit Beiträgen aus allen zwölf Abteilungen
liefert nicht nur Erinnerung an glorreiche Zeiten, sondern auch jede Menge
Gesprächsstoff, wie sich bei der Eröffnung schon zeigte.
Auch Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) schlupfte gedanklich nochmals in die
Keilhose mit Fersenhalter, die er beim Festzug zum 100. Jubiläum trug, weil
"dies damals schneidig aussah".

Die politischen Wirrungen rund um Sportvereine werden in der Ausstellung nicht
ausgeklammert, sondern herausgestellt. TV-Vorsitzender Karlheinz Krebs
erinnerte an die "bewegte Zeit" der Gründung anno 1863, die auf einen
entsprechenden Aufruf zurück ging, um bei der Polizeibehörde gemeldet werden zu
können. Als erster und langjähriger Vorsitzender habe Franz-Michael Bandorf
damals viele bürokratische Klippen umschiffen müssen und "deutliche Spuren
hinterlassen, auch weil er gegen die Obrigkeit aufbegehrte", wie Krebs aus
den Vereinsprotokollen herausgelesen hatte.
Krebs dankte dem Bürgerverein für die Möglichkeit, die Vereinsausstellung
präsentieren zu können, wobei mit Stefan Andritschke ein kreativer Kopf an der
Spitze gestanden habe. Entstanden sei somit eine "wundervolle und
ideenreiche Ausstellung, die an sportliche und gesellschaftliche
Veranstaltungen erinnert" - von Silvesterbällen, über Faschingsumzüge,
Rosenmontagsbällen, Theateraufführungen, bunten Abende und Götzwanderungen.

Für die Vielzahl an Sportlern, die Ebern bayernweit vertreten und zu Ruhm
geführt hätten, erwähnte Krebs die Turnier Heinrich Schmitt und Alfons Müller.
Dabei zitierte Krebs auch aus einem Schreiben des Gauturnleiters zum 100.
Jubiläum, wonach er für die Frauen "eher mittelmäßige Übungen"
ausgewählt habe, wobei die Röcke erst auf dem Übungsplatz abgelegt werden
dürften.
Das Herumlaufen in Hosen und mit Zipfelmütze sei ebenfalls verpönt, teilte
Gauleiter Dumpfroff mit "treudeutschem Gruß" mit.

Derzeit habe der TV Ebern 1300 Mitglieder, 550 davon seien Kinder oder
Jugendliche, wagte Krebs den Sprung in die Gegenwart, verbunden mit dem
Hinwies, dass auch im Jubiläumsjahr attraktive sportliche und gesellschaftliche
Angebote zusammengestellt worden seien.

Bürgervereinsvorsitzender Ingo Hafenecker verwies auf die engen Beziehungen von
Turn- und Bürgerverein: "Für die Ausstellung hatten wir wenig Geld, aber
viel Einfallsreichtum", lobte er seinen Vorstandskollegen Stefan
Andritschke und dessen Kinder Isabell und Fabian.

 

 

 

 

 

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