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Jubiläum: 120 Jahre Bürgerverein:  Quelle - Fränkischer Tag - Katharina Becht vom 17.10.2017

Heimatmuseum belebte den Bürgerverein Ebern

In der Frauengrundhalle feierte der rührige Bürgerverein sein 120-jähriges Bestehen. Viele Jahre wurde er nur als "Beerdigungsverein" wahrgenommen.

Die Modenschau  mit der Haßberge-Tracht  bereicherte die Festveranstaltung des Bürgervereins Ebern.Katharina Becht
 
 
 
von !-- --> KATHARINA BECHT
"Wie die Zeit doch vergeht ... und auch der Verein geht mit." So half Walter Dold schon vor 20 Jahren dem bekannten Musiker und Komponisten Friedrich Silcher beim Klassiker "Muss i denn..." textlich auf die Sprünge. Silcher, vor allem bekannt durch seine Chorsätze von Volksliedern, sei, so Dold, musikalisch einwandfrei, "aber bei den Texten musste ich ihm weng unter die Arme greifen", scherzte er zur Erklärung. Denn die Lieder, deren Texte er bereits vor 20 Jahren auf den Bürgerverein Ebern umgemünzt hatte, zogen sich wie ein roter Faden durch die Jubiläumsfeier am Sonntag.

120 Jahre ist der Bürgerverein in Ebern mittlerweile alt. Damit gehört er auf jeden Fall zu den ältesten Vereinen der Stadt. Gegründet in einer Zeit, als Vereine noch neu waren und oft den Honoratioren der Städte vorbehalten blieben, war der Bürgerverein damals ein echtes Kind seiner Zeit. Die meisten Vorsitzenden waren Handwerksmeister, manchmal sogar der Bürgermeister. Vereinszweck war die Geselligkeit. So " dümpelte" der Verein lange Zeit vor sich hin. Natürlich bewegte der Verein in all den Jahren einiges, dennoch wurde er oft nur als "Beerdigungsverein" wahrgenommen.

Davon erzählte auch Ingo Hafenecker in seiner Rede am Sonntag. "Offenbar ist der Verein damals nur bei solchen Anlässen öffentlich wahrgenommen worden." Doch das, so Hafenecker weiter, änderte sich, als 1974 das Heimatmuseum gegründet wurde. "Die Museumsgründung löste eine Welle der Begeisterung aus" und seitdem ist der Bürgerverein sozusagen nicht mehr aufzuhalten.

Wandergruppe, junge Gruppe, es tut sich immer wieder etwas im Bürgerverein. Die Ausstellungen und Sonderausstellungen sowie die Vereinsfeste, seit fünf Jahren mit den Weizentreffs auf vier gestiegen, sind beliebt wie eh und je und immer wieder Besuchermagnete. Die xaver-mayr-galerie hat sich in den wenigen Jahren ihres Bestehens zu einem kulturellen Zentrum herausgebildet und die Ideen für neue Aktionen gehen den Mitgliedern des Vereins sicher so schnell nicht aus.

Seit 1979 sorgt zudem Ingo Hafenecker selbst mit seiner unvergleichlich charmanten und liebenswerten Art immer wieder dafür, dass der Verein so positiv wie er auch ist, wahrgenommen wird. Vom "Beerdigungsverein" kann also keine Rede mehr sein. Wenn auch manche Vorstandssitzung, wie Walter Dold persiflierte, durchaus so anmuten könnte.

Frei nach dem Motto "Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem" plauderte er aus dem Nähkästchen und berichtete von einer Vorstandssitzung aus dem Jahre 2009. Freilich ohne Namen zu nennen, dennoch amüsierten sich die Zuhörer in der voll besetzten Frauengrundhalle köstlich. "Ja, so ist es", hörte man manchen Gast mit Blick auf die eigenen Erfahrungen in verschiedenen Gremien lachen.

Einen optischen Höhepunkt des vereinsinternen Jubiläums bildete auf jeden Fall die Gruppe der Damen um Renate Ortloff. Sie waren gekommen, um ihre im Jahr 2016 neu geschaffenen Haßberge-Trachten zu präsentieren. Bei den Damen im Saal kamen die Trachten auf jeden Fall gut an. Und den Gesichtern nach zu urteilen könnte demnächst vielleicht auch eine Hassberge-Tracht-Nähaktion in Ebern stattfinden. Interesse dafür wäre sicher da.

"Ob mers glaubt oder net ... man wird alt und kriegt's nit mit" - so dichtete Walter Dold weiter und gerade im Bürgerverein, bei dem immer etwas los ist, kann es gut passieren, dass man das wirklich nicht mitbekommt. Vielleicht auch deswegen ist Ingo Hafenecker, ehe er sich versehen hat, seit fast 40 Jahren Vorsitzender des Vereins.
 

Die Feier selbst umrahmten nicht nur die Sternberger Musik mit ihrer gelungenen Unterhaltungsmusik, also Musik bei der man sich gut unterhalten kann, sondern auch ein Gesangsduett nebst Karin Meyer-Jungclaussen am Klavier, die einen Teil der eingangs bereits erwähnten Bürgervereinslieder von Walter Dold vortrugen. Dazu präsentierten Rudi Kaspar und Karl-Heinz Krebs, zusammen mit Andreas Remshard ein paar Anekdoten aus dem Vereinsleben. Von der missglückten ersten Gründung über die zehn Jahre später geglückte Gründung bis hin zur Gründung des Heimatmuseum wurde so die Geschichte des Vereins ein Stück weit lebendig.
Und mit der letzten Zeile des "Muss i denn ..." in der Bürgervereins-Variante schließt auch dieser Bericht der Feier: "Und weil's den Bürgerverein noch gibt ... darum wurd dies Fest gemacht!"